Staats­thea­ter Augsburg

Shock­hea­ded Peter

Junk-Oper nach Moti­ven aus »Der Struw­wel­pe­ter« von Hein­rich Hoffmann

»Pfui! Ruft da ein jeder: Garst‘ger Struw­wel­pe­ter!«. Wer kennt es nicht, das 1844 ent­stan­de­ne Pan­op­ti­kum tief­schwar­zer Päd­ago­gik des Frank­fur­ter Ner­ven-Arz­tes Dr. Hein­rich Hoff­mann. Obwohl sich die Erzie­hungs­me­tho­den deut­lich verä­nert haben, ist der Erfolg des Kin­der­buch­klas­si­kers auch nach bei­na­he 180 Jah­ren unge­bro­chen.
Die Insze­nie­rung wagt einen neu­en Blick auf die alt­be­kann­ten und belieb­ten Cha­rak­te­re und erweckt sie in unse­rer heu­ti­gen Welt zum Leben. Vor den Augen des Publi­kums wer­den sie als Kandidat:innen zu einer musi­ka­li­schen Live-Show gela­den, die den all­abend­li­chen Spiel- und Cas­ting­sen­dun­gen im Fern­se­hen Kon­kur­renz macht. Das Mot­to dabei lau­tet: Unter­hal­tung bis der Arzt kommt.

Die Vor­la­ge dafür bie­tet die Kom­po­si­ti­on der eng­li­schen Band The Tiger Lil­lies, die das anar­chi­sche Poten­ti­al des »Erzie­hungs­rat­ge­bers« aus ver­gan­ge­nen Zei­ten betont. Sie ver­wan­del­te die zehn Geschich­ten in eine gro­tesk-alp­traum­haf­te »Junk-Ope­ra«, in der die Augs­bur­ger Schauspieler:innen ihr musi­ka­li­sches Kön­nen unter Beweis stel­len. Haus­re­gis­seur David Ort­mann bringt die Show mit viel Lust am gro­ßen Spek­ta­kel auf die Büh­ne des martini-Parks.

Musi­ka­li­sche Lei­tung Ste­fan Leibold
Büh­ne & Video­de­sign: Oli­ver Kostecka
Kos­tü­me: Aylin Kaip
Video­ani­ma­ti­on: Patrik Tir­cher
Cho­reo­gra­fie: Ricar­do Fer­nan­do
Licht: Die­ter Zim­mer­mann
Dra­ma­tur­gie: Sarah Mössner
mit: Elif Esmen/Christina Jung/Mirjam Birkl, Gerald Fied­ler, Flo­ri­an Gert­eis, Juli­us Kuhn, Mari­na Lötschert & Patrick Rup­ar sowie Mount Adige
Fotos: Jan Fuhr
Pre­mie­re am 19. Febru­ar 2022 im martini-Park
»Schrill, bunt und komisch erzählt David Ort­mann die gereim­ten Geschich­ten aus dem ›Struw­wel­pe­ter‹ neu. […] Aber Ort­mann rei­chert die Junk-Oper um wei­te­re Ebe­nen, neue The­men an. Da geht es um aktu­el­le Erzie­hungs­fra­gen und Dia­gno­sen, um den Voy­eu­ris­mus der Mas­se, Radi­ka­li­sie­rung, Ent­ta­bui­sie­rung, Gren­zen­lo­sig­keit in den (sozia­len) Medi­en, Ver­ro­hung, Gewalt und Ras­sis­mus, um das Lech­zen nach Auf­merk­sam­keit, um die hei­li­ge Quo­te und auch um die Fra­ge: Was tut man alles für Geld? Das alles erzählt Regis­seur Ort­mann nicht mora­lin­sauer oder mit erho­be­nem Zei­ge­fin­ger, son­dern so dras­tisch komisch, flip­pig und mit präch­ti­gen Büh­nen­zau­be­rei­en bis zur Struw­wel­pe­ter-Explo­si­on, dass man aus dem Lachen gar nicht mehr her­aus­kommt. […] Alles in allem: kurz­wei­lig, fan­ta­sie­voll und äußerst unter­halt­sam. Nach knapp zwei Stun­den gab’s dafür begeis­ter­ten Applaus.« 
Donau­ku­rier
»Nun kehrt Shock­hea­ded Peter in einer auf­wen­di­gen und zeit­ge­mä­ßen Insze­nie­rung auf der Büh­ne des Mar­ti­ni­parks nach Augs­burg zurück. Haus­re­gis­seur David Ort­mann, der sich unter ande­ren auch den ›Tat­ort Augs­burg‹ auf die Fah­ne geschrie­ben hat, zeigt mit die­ser Insze­nie­rung sei­ne pfif­fig-sati­ri­sche Sei­te. Die bekann­ten schrä­gen Typen aus dem ›Struw­wel­pe­ter‹ in eine Cas­ting-Show zu inte­grie­ren, ist tat­säch­lich ein stim­mi­ger und adäqua­ter Ein­fall. […] Das glit­zern­de Show-Ambi­en­te lässt aus dem erho­be­nen Zei­ge­fin­ger gegen ver­meint­lich ›unge­hor­sa­me‹ Kin­der aus Hein­rich Hoff­manns Kin­der­buch eine Meta-Welt ent­ste­hen, die die über­di­men­sio­niert wuchern­den Cas­ting- und Gewinn-Shows der moder­nen Medi­en mit bei­ßen­dem Spott aufs Korn nimmt und als sub­stanz­lo­se Glit­zer­hül­len ent­larvt. Hoch­ka­rä­ti­ger Spaß von Anfang bis Ende!« 
»Regis­seur David Ort­mann stellt sich im ›Struwwelpeter‹-Stoff also nicht nur zeit­ge­mä­ßen päd­ago­gi­schen Fra­ge­stel­lun­gen, son­dern nutzt ihn auch für eine gehö­ri­ge Por­ti­on Medi­en­kri­tik: das öffent­li­che Bloß- und Aus­stel­len zum Ergöt­zen der Zuschau­er. In Video­ein­spie­lun­gen, die sich als Home­sto­rys ins Gesche­hen ein­fü­gen, und Gesprächs­sze­nen zwi­schen Mode­ra­tor und Kan­di­da­ten, macht Ort­mann aber deut­lich, dass hier kei­ne miss­ra­te­nen Gören und Rotz­löf­fel Anar­chie und Unge­hor­sam frö­nen, son­dern Kin­der ver­su­chen, mit den Ansprü­chen ihrer Eltern und der Gesell­schaft, mit Allein­sein und Zurück­wei­sun­gen, mit Schick­sals­schlä­gen und Ent­täu­schun­gen zurecht­zu­kom­men. […] All das macht ›Shock­hea­ded Peter‹ im Mar­ti­ni­park zu einer Auf­füh­rung, die gekonnt zwi­schen ›Rocky-Horror‹-Stimmung und ›Systemsprenger‹-Betroffenheit wandelt.«
»Schril­les Amü­se­ment ist ange­sagt bei der aktu­el­len Büh­nen­ver­si­on der kul­ti­gen Junk-Oper ›Shock­hea­ded Peter‹, die David Ort­mann mit einem groß­ar­ti­gen Team für das Staats­thea­ter Augs­burg insze­nier­te. […] Anders als zur Inten­danz von Dr. Peters […] treibt David Ort­mann als Regis­seur gemein­sam mit der Live­band ›Mount Adi­ge‹ und sechs über­schäu­mend spiel­freu­di­gen Darsteller*innen den Irr­sinn auf der gro­ßen Mar­ti­ni­park­büh­ne mit enor­mem Auf­wand auf die Spitze.«
»Die bekann­ten Figu­ren wer­den modern adap­tiert, so sind die Schwar­zen Buben hier neo­na­zis­ti­sche Böh­ze Buben – die in einer Video-Sequenz gezeigt wer­den, wie sie Pas­san­ten in der Augs­bur­ger Fuß­gän­ger­zo­ne angrei­fen! (Neben­bei: eine ele­gan­te Art, wie die Insze­nie­rung den Ras­sis­mus des Ori­gi­nals umschifft.) Den Augs­bur­ger Schau­spie­lern Flo­ri­an Gert­eis, Mari­na Lötschert, Patrick Rup­ar, Elif Esmen und Gerald Fied­ler, die alle meh­re­re Rol­len spie­len, ist mit ihrer über­bor­den­den Spiel- und San­ges­freu­de der Spaß an der Insze­nie­rung anzumerken.«