Staatstheater Augsburg

Mutter Courage und ihre Kinder

Eine Chronik des Dreißigjährigen Krieges von Bertolt Brecht
Premiere am 23. Februar 2024 im martini-Park

Mit deutschen Übertiteln sowie Handy-Untertiteln in Deutsch, Englisch und den Brechtfestival-Sprachen Türkisch und Russisch

In David Ortmanns Neu-Inszenierung des ikonischen Brecht-Klassikers wird die überzeitliche Aktualität des Stoffs im Angesicht eines neuen Krieges in Europa erschreckend bewusst. Unter Mitwirkung der bekannten tauben Schauspielerin Anne Zander macht das Schauspiel-Ensemble in großer Besetzung diesen Abend zusammen mit Musiker:innen der Augsburger Philharmoniker zu einem Theaterereignis, bei dem Kostüm- und Bühnenbild aus dem Vollen schöpfen.

Durch die entmenschlichte Welt des Dreißigjährigen Krieges reist die Marketenderin Anna Fierling im Tross eines Heeres von Kriegsschauplatz zu Kriegsschauplatz. Einziger Garant für das Überleben ihrer Familie ist ihr Geschäftssinn – komme, was da wolle. Aber ihr Vorhaben, sich und ihre Kinder unbeschadet durch die Katastrophe zu bringen und trotzdem ein Auskommen mit dem Krieg zu finden, muss angesichts des allumfassenden Grauens scheitern. Lange Zeit galt der 30-jährige Krieg als der »Krieg aller Kriege«, als Zusammenbruch jeglicher Zivilisation. Umfassender und zerstörerischer als diesen wagte man die Kriege der Neuzeit nicht zu denken.

Im Herbst 1939 schrieb Bertolt Brecht im Angesicht der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges in nur wenigen Wochen seine »Chronik des 30jährigen Krieges«. Brecht zeigt mit »Mutter Courage und ihre Kinder« ungeschönt den Alltag derjenigen, die den Krieg am eigenen Leib erfahren: all die Menschen, die den Heeren im Tross folgen und versuchen, hier ein Auskommen zu finden – Soldaten, Köche, Kinder und Händlerinnen. Aber der Krieg kennt keine Gewinner. Von überzeitlicher Aktualität erscheint »Mutter Courage und ihre Kinder« als Warnung auch für heutige Tage. In der Regie von David Ortmann spielt das Schauspielensemble in großer Besetzung zusammen mit Mitgliedern der Augsburger Philharmoniker unter der Leitung von Stefan Leibold (Musik: Paul Dessau).

Besetzung

Musikalische Leitung
Stefan Leibold
Bühnenbild
Jürgen Lier
Kostümbild
Ursula Bergmann
Dramaturgie
Melanie Pollmann
mit
Ute Fiedler, Anne Zander, Gerald Fiedler, Julius Kuhn, John Armin Sander, Klaus Müller, Natalie Hünig, Sebastian Müller-Stahl & Kai Windhövel
»Regisseur David Ortmann hat sich mit dem Ensemble des Staatstheaters Augsburg über Wochen in den Abgründen dieses Dramas bewegt. In intensiven, aufwühlenden drei Stunden bleiben alle nah am Text. Ortmann liegt genau richtig, wenn er auf Aktualisierungen verzichtet. Die Bilder aus der Ukraine sowie aus Israel und Gaza bringen alle selbst mit in den Theatersaal. Dazu errichtet die Schauspielerin Ute Fiedler der Mutter Courage ein Denkmal, versteckt Angst, Zweifel und Sorge unter einem undurchdringlichen Panzer der Stärke. Und noch jemand ragt aus der starken Ensembleleistung heraus: Anne Zander als stumme Tochter Kattrin, die man so auch noch nie gesehen hat. Denn Zander, selbst gehörlos, spricht zwar kein Wort, gebärdet aber […]. Langer Applaus für eine starke, intensive und packende Inszenierung.«
Richard Mayr, Augsburger Allgemeine vom 24. Februar 2024 — Zur Rezension
» 6 weitere Pressestimmen
»[D]ie Titelrolle spielt Ute Fiedler, wunderbar hemdsärmelig, zupackend und doch zerbrechlich. […] Ortmann hat sich dafür entschieden, der Sprache Brechts möglichst viel Gewicht einzuräumen. Die Bilder sind sehr klar, wirken bisweilen fast statisch. Natürlich, das Stück spielt im 17. Jahrhundert, und für Brechts Texte sind die Urheberrechte noch nicht frei. Doch obwohl es gerade Krieg in Europa gibt, bleibt der Abend entrückt, da reichen die Zitate heutiger Militärkleidung und Waffen nicht. Er ist solide, konventionell, vermutlich eine Freude für traditionell geprägte Brecht-Fans, aber er liefert keine neue Erkenntnis. […] Die Rolle der bei Brecht stummen Kattrin hat die gehörlose Schauspielerin Anne Zander übernommen, die vor allem mit John Armin Sander als ihren Bruder Schweizerkas und Gerald Fiedler als Feldprediger Szenen feiner Emotionalität entwickelt. […] Ruft man sich einen Tag später – im Kraftklub– die Inszenierung dann in Erinnerung, ist jedoch auch klar: Sie ist ein wertvolles Gewicht im Festivalprogramm, denn kontrastreicher dürften die Zugänge zu Brecht wohl nicht sein als im Martinipark und im ehemaligen Möbelhaus.«
Yvonne Poppek, Süddeutsche Zeitung vom 25. Februar 2024 — Zur Rezension
»Das Publikum war einer Meinung bei der Premiere: Besser kann Brecht in der Friedensstadt Augsburg nicht gespielt werden! Deutschlandweit ist Ortmanns Konzept zur Inklusion inzwischen bekannt. Dazu gehört auch, dass die gesprochenen Texte für Hörbehinderte gut lesbar im Hintergrund laufen. Der Einsatz von Anne Zander ist goldrichtig, [sie] spielt die Tochter Kattrin phänomenal […].«
Lina Mann, Neue Augsburger Rundschau vom 24. Februar 2024 — Zur Rezension
»[A]n der Version von David Ortmann, Hausregisseur am Staatstheater der Stadt, ist zwar einiges prägnant und überraschend, aber tendenziell nichts wirklich anders und neu. Das Wichtigste zuerst: Kattrin (Anne Zander) spricht. […] Zwar basiert diese zentrale Idee der Inszenierung nicht auf historisch verbürgtem Material, [a]ber Brechts Idee der Mehrsprachigkeit in der Familie Courage führt sie weiter. […] Die Idee hat Potenzial – führt aber zu Problemen für alle im Publikum, die nicht notwendigerweise der Übertitelung folgen […]. Denn wenn mit Kattrin gesprochen wird, teils in hinzugefügten Szenen, teils in Passagen des Textes, in denen über die Tochter verhandelt wird, breitet sich im Ablauf der Handlung eine Art Leerlauf aus. Im ›stummen Gespräch‹ dann, mit viel Text zum Lesen und nichts zum Hören, läuft der Spielfluss erst recht aus dem Ruder. Das ist schade, aber eine kaum vermeidbare Konsequenz der an sich sehr seriösen Idee.«
Michael Laages, nachtkritik vom 24. Februar 2024 — Zur Rezension
»Ute Fiedler in der Hauptrolle nimmt man dieses unbeugsame und dabei doch so empathische Teufelsweib jedenfalls sofort ab – die langjährige Stammschauspielerin des Augsburger Ensembles liefert eine beeindruckende Darstellung ab. […] Und in der eindrucksvollen Inszenierung von David Ortmann, die noch fünf Mal bis Mitte Juni in der Ausweichspielstätte des Augsburger Staatstheaters im martini-Park gezeigt wird, bedeutet das einen dreistündigen Parforceritt der Gefühle. […] Ein ausgeklügeltes Lichtspiel sowie die Texteinblendungen auf dem runden, drehbaren Bühnenelement im Hintergrund lassen das Gesagte besser verstehen. Im Falle der ›Stummen Kattrin‹, die Anne Zander meisterhaft mit ausdrucksstarker Mimik und einem ausgefuchsten Lautspiel auf die Bühne bringt, ist das umso wichtiger. Im Originaltext bleibt Kattrin stumm. In der Augsburger Inszenierung unterhält sich ihre Mutter mit ihr lautspracheunterstützenden Gebärden (LUG), während Bruder ›Schweizerkas‹ sogar die Deutsche Gebärdensprache (DGS) beherrscht. Ein toller Einfall der Augsburger, die nicht zuletzt durch ihre digitalen Theaterprojekte sich schon seit vielen Jahren als Vorreiter der Inklusion im Kulturgenuss verschrieben haben.«
Timo Lechner, Sonntagsblatt vom 26. Februar 2024 — Zur Rezension
»Spätestens nach der Pause zieht einen die Inszenierung mit hinein in die Tiefen des menschlichen Daseins und des Krieges. […] Brechts Antikriegsdrama kommt also immer zur richtigen Zeit, seine mahnenden Worte verhallten offenbar bisher ungehört. Man sollte nicht müde werden, sie immer wieder laut zu wiederholen, im Staatstheater bietet sich aktuell eine gute Gelegenheit. Das Premierenpublikum quittierte die Ensembleleistung und insbesondere die starke Leistung von Ute Fiedler und Anne Zander mit starkem Applaus.«
Anna Hahn, a3kultur vom 28. Februar 2024 — Zur Rezension
»David Ortmanns Inszenierung verzichtet auf plakative aktuelle Bezüge und vertraut zu Recht auf die Zeitlosigkeit von Brechts Text. […] Ute Fiedler spielt diese pragmatisch-unsentimentale, vom Leben (und vom Krieg) gezeichnete Frau hervorragend. Alles um sie herum spielt sich vor oder neben einem militärisch anmutenden Zelt ab, aus dem die Akteure auftauchen und in das sie wieder verschwinden. Die Soldaten der Statisterie verändern unmerklich ihr Aussehen, werden im Lauf des Stücks immer ›heutiger‹ in der Ausrüstung. Und an der Wand werden Strichlisten geführt von Gefallenen. Eine zeitlose Angelegenheit. […] Eine Besonderheit der Inszenierung ist, dass Kattrin tatsächlich von einer gehörlosen Schauspielerin gespielt wird. Anne Zander artikuliert sich mit Gebärden, was dem Publikum als Übertitel übersetzt wird. Da es (zumindest bei der Premiere) auch viele Gehörlose im Publikum gab, die wiederum die Bühnensprache nicht verstehen können, wird der gesamte Text wie beim Musiktheater an die Wand projiiziert. [...] Mehr aktuellen Bezug braucht es da nicht.«
Halrun Reinholz, DAZ vom 29. Februar 2024 — Zur Rezension

Fotos: Jan-Pieter Fuhr

Vergangene Aufführungen

Mi, 26.02.2025 · 19:30
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Di, 28.01.2025 · 19:30
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So, 19.01.2025 · 15:00
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Fr, 25.10.2024 · 19:30
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Sa, 12.10.2024 · 19:30
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Fr, 14.06.2024 · 19:30
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Do, 23.05.2024 · 19:30
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Fr, 19.04.2024 · 19:30
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Sa, 06.04.2024 · 19:30
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So, 03.03.2024 · 18:00
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Fr, 23.02.2024 · 19:30
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