Der Sohn
Florian Zellers Familiendrama rückt ein hochaktuelles, oft tabuisiertes Thema ins Zentrum: jugendliche Depressionen und ihre Folgen. Das Inszenierungsteam möchte ein Zeichen dafür setzen, den Kampf gegen Depressionen anzugehen – als eine der häufigsten Krankheiten überhaupt, gerade bei Jugendlichen: »Wir wollen raus aus der Tabuzone und rein ins Leben mit diesem Drama, das trotz seiner Tragik als ein Plädoyer für das Leben verstanden werden kann«, so Regisseur David Ortmann.
Nach der Trennung der Eltern lebt der 17-jährige Nicolas bei seiner Mutter während sein Vater Pierre mit neuer Partnerin und Baby ein anderes Leben beginnt. Statt sich auf den Abschluss zu freuen, schwänzt Nicolas die Schule. Die Mutter ist ratlos. In der Hoffnung auf Besserung zieht Nicolas zu Pierre. Der nimmt sich Nicolas an und versucht mit allem, was ihm zur Verfügung steht, das Stieffamilien-Leben und seinen anspruchsvollen Job unter einen Hut zu bekommen. Die räumliche Nähe scheint zu wirken. Doch neue Konflikte entstehen. Nicolas verzweifelt zunehmend am Leben, Pierre entdeckt Narben auf dem Unterarm seines Sohnes. Man ahnt: Das ist mehr als jugendliche Rebellion. Nicolas braucht Hilfe. Können die Eltern das alleine leisten? Und wann ist es dafür zu spät?
David Ortmann inszeniert mit Florian Zellers »Der Sohn«, das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, eine einfühlsame und tiefgründige Familiengeschichte über den Versuch, die psychische Krise eines Kindes zu bewältigen. Sie stellt Fragen, nach den Rollenerwartungen an Eltern und zeigt, wie uns Familie, deren Konflikt- und Kommunikationsweisen prägen.
Besetzung
Dies auf die Bühne zu bringen, und Techno, Spaß, Tanz und heitere Momente einzubauen, verlangt Offenheit beim Publikum, von den Darstellern Klimmzüge und vom Regisseur Fingerspitzengefühl. […] David Ortmann hat dieses Stück des französischen Autors Florian Zeller in eine graue Box gepackt. Gerade vor diesem Hintergrund kommt die Wucht der Darstellerinnen und Darsteller zur Geltung. Fast schon fiebrig ist die Energie, mit der sie sich gegenseitig anschreien, erschöpft in sich zusammensinken, zur manischen Phase mit Techno-Musik und Disko-Geflacker wild tanzen. […] Die emotionale Dichte, mit der das Ensemble dieses gesellschaftlich harte Thema trägt, macht die Inszenierung zu einem berührenden, politischen, trotz allem irgendwie auch leichtfüßigen Abend.Stefanie Schoene, Augsburger Allgemeine vom 6. Juli 2026 — Zur Rezension
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Regisseur David Ortmann hat diesen letzten Teil einer Familientrilogie auf die Brechtbühne im Gaswerk Augsburg gebracht und zusammen mit Justus Saretz ein kluges Bühnenkonzept entworfen, das die Dynamiken zwischen den Familienmitgliedern fast schmerzhaft sichtbar werden lässt. […] Diese Geschichte ist nicht leicht. Aber so, wie sie David Ortmann und sein Theaterteam erzählen, ist sie absolut berührend und erlebenswert. Das Premierenpublikum dankte es mit atemloser Stille, gefolgt von langanhaltendem Applaus., Donaukurier vom 5. Juli 2026 — Zur Rezension
Die Schatten von Pierre, Anne und Nicolas sind immer da. Sie stehen unüberwindbar im Raum. Wie Mauern. Aber nur manchmal, als Trenner zwischen bestimmten Szenen, projiziert der Lichtmeister die dunklen Silhouetten dieser Figuren an die graue Wand der schachtelförmigen Bühne und macht das Verborgene dadurch sichtbar. […] In David Ortmanns Inszenierung von »Der Sohn« sind die Schatten offensichtlich. Da gibt es Scham und Schuld bei den Eltern eines psychisch kranken Jungen, Eifersucht bei der neuen Freundin des Vaters und eine diffuse Versagensangst bei dem 17-jährigen Sohn Nicolas. Diese Gefühle füllen den betonartigen Bühnenraum aus, der durch seine minimalistische Klarheit dazu einlädt, sich auf das Innenleben der Figuren zu konzentrieren.Isa Hoffinger, nachtkritik vom 4. Juli 2026 — Zur Rezension
Fotos: Jan-Pieter Fuhr